BW Hürth 2010

Unsere Gold und Silber Katharina

BW Hürth

Hürth 2010 Bundeswettbewerb (BW) der Jungen und Mädchen (13/14 Jahre) im Rudern

Sieg beim Langstreckenrennen, Setzung für das A-Finale, zweiter Platz ……
Tolle Erfolge für Katharina Heil beim diesjährigen BW in Hürth. Ganz großer Sport mit überragenden Leistungen trotz der extremen Wetterbedingungen und 38° Celsius.Die Zusammenfassung in Stenogrammform ist wahrscheinlich jedem bekannt, doch der BW stand ganz am Ende einer 9-monatigen Vorbereitungszeit. Mit Beginn des Wintertrainings stand für Katharina fest: „Ich will zum BW!“ Gesagt – getan. Woche um Woche, Monat um Monat wurde im Kraftraum und auf den Ergometern trainiert. Und der Winter war lang, sehr lang. Erst kurz vor dem Ostertrainingslager wurde Katharina, wie auch die anderen Trainingsleute erlöst, es ging auf’s Wasser. Schmerzlich mussten alle Beteiligten feststellen, dass gute Ergometerzeiten nicht 1:1 auf das eigentliche Rudern übertragbar sind. Schulung der Technik und Ausprägung des Bootsgefühls waren in den ersten Wochen gefragt, wobei es nicht an den ersten intensiven Einheiten fehlen durfte, da mit der Regatta Bremen der erste Wettkampf unmittelbar bevor stand. Die Zeit wurde knapp und es gab noch viel zu tun. Doch wo ein „Katharina“-Wille ist muss auch ein Weg her. Das zeigten dann auch die Ergebnisse: Auf der Langstrecke noch knapp geschlagen, triumphierend auf der Kurzstrecke. Die Saat schien gesät und sollte beim zweiten Wettkampf in Otterndorf bereits die ersten Schösslinge zeigen, wenn da nicht die Klassenfahrt gewesen wäre, die keine normale Vorbereitung auf die Regatta zuließ. Scheinbar völlig unbeirrt hat „Katha“ kurzerhand diese Beeinträchtigung verarbeitet und neben der Langstrecke auch die Kurzstrecke gewonnen. Nun stand die Landesmeisterschaft an: mangels Meldungen im Leichtgewichtsbereich startete Katharina bei den normalgewichtigen Mädchen und mit was für einem Erfolg: Sieg bei der Langstrecke, Sieg über 1.000m, eindeutige Nominierung für den Bundeswettbewerb. Die Nominierung bedeutete aber auch 4 weitere Wochen Training inkl. einem Trainingswochenende in Lehrte/Sehnde mit der Mannschaft der niedersächsischen Ruderjugend. 4 Einheiten auf dem Wasser, Videoanalyse mit dem Landestrainer und dies alles bei kalten, oft windigen Bedingungen auf dem Mittellandkanal. Nach knappen 2 weiteren Wochen war es dann soweit: Abfahrt nach Hürth!!Am frühen Donnerstagmorgen machten wir uns samt Boot und Schwester Sophie (offizieller BW-Helfer) über Hildesheim, Zuladung von Mensch und Material, auf den Weg ins „Bergische“. Die geplante Ankunft um 14:00 konnte um 30 min. unterboten werden, welches sich als wichtig erwies, da es in den nachfolgenden 2 Stunden richtig voll wurde. So konnte die kleine Wolfsburger Delegation das normale Prozedere ablaufen lassen: Bootsanhänger sicher stellen, Boot aufriggern, „Kläuschen“ (unser Pavillon) aufbauen, Regattamobil installieren.Dann war die Zeit für die erste Trainingseinheit gekommen. Bevor Katharina „in See stechen“ konnte, mussten wir aber zunächst einen ca. 50m langen steilen unbefestigten und staubigen Weg hinter uns bringen um an den 40 cm breiten Gitterroststeg zu gelangen. Und wieder wurde uns bewusst, welchen Luxus wir daheim genießen. Nach gut 30 min. war Katharina von der Trainingsrunde zurück und war mit den Gegebenheiten eigentlich zufrieden, wenn da nicht das gemähte Seegras inmitten der Bahnen gewesen wäre. Überall die gleichen Probleme.Am Freitagmittag vergrößerte sich unsere „Mannschaft“. Familie Heil und Natascha stießen zu uns.So langsam wuchs bei Katharina, ihren Betreuern und Fans die Anspannung. Die Langstrecke über 3.000m stand an, und das bei guten 38° Grad. Katharina ließ sich aber nicht beirren und war bereits wenige Schläge nach dem fliegenden Start in ihrem Rhythmus. Bereits nach 500m war klar zu erkennen, dass sie auf die Ruderin aus Schleswig Holstein auflaufen würde, die knapp eine Minute vor ihr gestartet war. Nach der Wendemarke bei 1.000m erfolgte dann auch die Überholung. Die verbleibende Strecke fuhr sie hoch konzentriert und auf einem technisch sauberen Niveau. Kurz vor 15:00 war alles vorbei und es begann die quälend lange Zeit des Wartens bis zur Siegerehrung / Ergebnisverkündigung. Irgendwann am Abend erfolgte dann die Erlösung: Sieg auf der Langstrecke mit 14 sec. Vorsprung, damit verbunden die Setzung für das A-Finale über 1.000m am Sonntag.Der Samstag stand ganz im Zeichen des Zusatzwettbewerbes, eine Art „Spiel ohne Grenzen“, welcher zu einem Drittel in die Länderpokalwertung mit einfließt. Katharina war mit ihrer Abteilung gegen Mittag durch und konnte sich im Schatten bei viel Wasser auf das Rennen am Sonntag vorbereiten.6:30 am Sonntag, Finaltag, Katharina verlässt mit dem Fahrrad die Gemeinschaftsunterkunft der Niedersachsen und radelt die knapp 3 km zum Regattaplatz. Ein leichtes Frühstück und die Rennvorbereitung folgen. Mittlerweile hat die Wolfsburger Fangemeinde weiteren Zulauf erhalten. Bernd Bolzenius ließ es sich nicht nehmen das Finale live zu erleben und war nach Hürth gekommen. Pünktlich um 9:20 liegt Katharina am Start und bei allen Beteiligten steigt wieder die Anspannung. Und auch diesmal die Vermutung, dass Fans und Betreuer nervöser sind als die Sportler selbst. Die liefern sich auf den ersten 500m ein packendes Rennen, wobei sich Katharina und ihre Gegnerin aus Bayern stetig vom übrigen Feld absetzen. 300m vor der Ziellinie kam es zu einer erneuten Tempoverschärfung durch die Ruderin aus Bayern, der Katharina nichts mehr entgegensetzen konnte. Platz 2 im A-Finale heißt es am Schluss. Erschöpft aber glücklich lachend nimmt Katharina die Silbermedaille entgegen und hat damit das beste Ergebnis bei einem Bundeswettbewerb in der Clubgeschichte erzielt. Nach ihrem wohlverdienten Urlaub mit der Familie erfolgt eine Bestandaufnahme der Ereignisse in Hürth und die Vorbereitung auf die Regatten im Herbst. Des Weiteren hat Katharina eine Einladung zu einem Trainingslehrgang der Deutschen Ruderjugend nach Berlin Grünau bekommen. Und am Ende der Saison im Oktober stellt sich wieder die Frage: „Was willst Du nächstes Jahr erreichen?“
Antwort: „Ich will zum BW 2011!“

Text: Natascha Fieting